07.08.2017 16:07

Fragwürdige Prioritäten

Category: Bauszene

natureplus kritisiert Bewertung des ÖKO-TEST Magazins beim ÖKO-TEST Dachdämmstoffe.

In seinem August-Heft bewertete das ÖKO-TEST-Magazin 15 verschiedene Dachdämmstoffe, darunter auch 5 mit dem natureplus-Gütesiegel. Die Produkte sind überwiegend für die Zwischensparrendämmung geeignet. Auffällig dabei das gute Abschneiden konventioneller Produkte aus Glas- und Steinwolle, die allesamt „gut“ erreichten. Von den natureplus-zertifizierten Produkten erreichten 2 Dämmstoffe aus Holzfasern - „Gutex Thermoflex“ und „Pavaflex“ von Pavatex - mit „sehr gut“ die beste Bewertung im Test, andere Produkte schnitten hingegen nur „befriedigend“ („Isocell“ Zellulosefaser, „Thermo-Jute“ von Thermo Natur) oder „ausreichend“ (Ziro „Corktherm 040“) ab. 

ÖKO-Kriterien spielen keine Rolle

Die Prioritätensetzung von ÖKO-TEST findet natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz allerdings „fragwürdig“. Er kritisiert, dass das Thema Herstellungsenergie in dem Test keinerlei Rolle gespielt hat. Auch die Verwendung von erneuerbaren Ressourcen (nachwachsenden Rohstoffen oder Recyclingmaterial) hatte keinerlei Einfluss auf die Bewertung. „Das passt nicht zum Thema ÖKO-Test“, meint Schmitz. Die natureplus-geprüften Produkte erfüllten hingegen allesamt hohe Anforderungen in diesen von ÖKO-TEST nicht beachteten Bewertungskriterien.

Mikrobielle Belastung ist nicht qualitätsrelevant

Einen hohen Stellenwert haben für ÖKO-TEST hingegen Belastungen durch (abgestorbene) Pilze oder andere Mikroorganismen. Die mikrobielle Belastung ist für natureplus allerdings überhaupt kein Testkriterium, da diese ganz überwiegend erst im Schadensfall relevant wird, also wenn die Dämmstoffe durchfeuchten. Dann würde sich aber auch auf unbelasteten Dämmstoffen z.B. aus Mineralfaser Schimmel ausbreiten. „Im Fall eines Feuchteschadens wird es immer Schimmel geben, egal wie hoch die Ausgangsbelastung des Materials ist“, betont Schmitz. Insofern sei die Bewertung von ÖKO-TEST grundsätzlich zu kritisieren, da der Parameter „nicht relevant für eine Qualitätsaussage“ ist. Eine Grundbelastung mit Mikroorganismen ist zudem auf organischem Material als normal anzusehen, dadurch verursachte Gesundheitsschäden etwa während des Einbaus dieser Dämmstoffe sind für natureplus nicht erwiesen. Die Produkte „Thermo-Jute 100“ und insbesondere „Corktherm 040“ waren von dieser aus Sicht von natureplus ungerechtfertigten Abwertung betroffen.

Bor in geringen Mengen nicht reprotoxisch

ÖKO-TEST wertet auch Produkte ab, die Borverbindungen als Flammschutz enthalten. Dies trifft auf das natureplus-geprüfte Produkt „Isocell“ zu, welches etwa 3 % dieser Verbindungen enthält. Es ist zwar richtig, dass Borsäure aufgrund eines wissenschaftlich umstrittenen Tests bei einem Anteil von mehr als 5,5 % als reproduktionstoxisch eingestuft ist, allerdings gelten die Verbindungen unterhalb dieser Schwelle als so ungefährlich, dass sie in Dämmstoffen nicht einmal deklariert werden müssen. Weil sie besonders effektiv gegen die Glimmbildung wirken, lässt natureplus diese Stoffe in Zellulosedämmstoffen bis zur Deklarationsgrenze zu, in anderen Produkten, bei denen die Glimmbildung keine so große Rolle spielt, sind sie aus Vorsorgegründen verboten.

AOX ein Zufallsbefund?

Im Produkt „Thermo-Jute“ wurden auch halogenorganische Verbindungen (AOX) von ÖKO-TEST ausgemacht und als Abwertungsgrund herangezogen. Allerdings ist nicht klar spezifiziert, um welche Verbindungen es sich beim ÖKO-TEST Befund handelt. Bei Untersuchungen des Jutematerials, aus dem „Thermo-Jute“ hergestellt wird, mit derselben Prüfmethode wie ÖKO-TEST hat natureplus jedenfalls in der Vergangenheit keine halogenorganischen Verbindungen gefunden. Der Testbefund von ÖKO-TEST liegt an der Nachweisgrenze. Wahrscheinlich handelt es sich hier also um einen Zufallsbefund.

Fazit: 

Der Test Dachdämmstoffe des ÖKO-TEST Magazins (Heft August 2017) ist aus der Sicht des unabhängigen Vereins natureplus nicht geeignet für eine Orientierung der Verbraucher auf nachhaltige Dämmprodukte. Denn wichtige ökologische Faktoren blieben unbeachtet und eine mikrobielle Kontamination wurde nach seiner Auffassung viel zu streng bewertet. 


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